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Seit ungefähr sieben Jahren hatte ich keine Winterjacke mehr. Jedenfalls keine im herkömmlichen Sinne. Bedingt wurde diese Abwesenheit durch zwei Umstände.
Umstand 1:
Ich habe nie eine gefunden, die mir wirklich gefiel. Entweder waren die Farben so grell und geschmacklos, dass man mit ihnen ganze Ski-Pisten beleuchten konnte. Oder sie hatten irgendwelche Bommel und/oder an explodierte Teddybären erinnernde Fellfetzen an Kapuze oder Jackensaum. Gern genommen auch Glitzer-Strass-Perlchen-Blümchen-Applikationen-Zumutungen an tailliert zusammengerafften Mäntelchen. Und dann natürlich die coolen Winterjacken, die sich allerdings immer als finanzielle Strapaze erwiesen, die ich für einen 3-monatigen winterähnlichen Zustand in westdeutschen Gefilden nicht auf mich nehmen wollte.
Umstand2:
Zu meinen Studienzeiten gab es an der FH im Winter entweder die Seminarräume, in denen die Heizung auf volle Pulle gestellt wurde und anschließend kaputt ging. Mit der Folge, dass im Raum tropische Zustände herrschten.
Oder es gab die Seminarräume, in denen die Heizung kaputt ging, bevor sie angeschaltet wurde. Folge: sibirisches Zittern.
Und dann waren da natürlich noch die normal temperierten Räume, die zugigen Mensa-Plätze und die direkt an der Heizung.
Für das tägliche Pendeln durch diese unterschiedlichen Mikro-Klima-Zonen fand ich den Zwiebelschalenlook, bestehend aus T-Shirt, H&M-Kaputzenjacke, diversen anderen Jacken, dicker Weste und Schal, immer am praktischsten, da er sich kurzfristig an die unvorhersehbaren Temperaturen anpassen ließ.
Auf Dauer war diese Methode aber doch eher unvorteilhaft. Vorallem wenn man nicht mehr täglich in die FH rennt, sondern zweimal täglich und oft länger als geplant auf Bahnsteigen herumsteht. Da wurde es dann doch gelegentlich kälter als gewünscht.
Also habe ich vor zwei Jahren zum ersten Mal intensivst versucht, mir eine Winterjacke zu kaufen. Bin aber immer kläglich an “Umstand 1″ gescheitert. Das gleiche passierte letztes Jahr wieder.
So gelangte ich zu der Erkenntnis, dass “Diana” und “Winterjacke” zwei Pole sind, die sich gegenseitig grundsätzlich abstoßen und ich zum Vor-mich-hin-Frösteln verdonnert bin. Zumindest so lange, bis ich in das Alter von Mäntelchen mit Glitzer-Strass-Perlchen-Blümchen-Applikationen komme.
Doch vor ca. drei Wochen, als ich die Hoffnung auf eine Winterjacke schon restlos aufgegeben hatte, guckt mich in einem Kölner Laden tatsächlich die perfekte Winterjacke an! Eine bezahlbare Super-Jacke, mit der mir keine Winter-Temperatur mehr etwas anhaben kann.
Nun bin ich natürlich stolz wie Oskar angesichts der Tatsache, dass ich der Naturgewalt der sich abstoßen Pole trotzen konnte und trage mein neues Kleidungsstück - komme was wolle.
Aber ich finde, so langsam könnte es dann jetzt auch mal Winter werden!